Donnerstag, 21. Februar 2019
Solidaritätsanzeige

Strassenschlacht in KairoIn Kairo ist die Stimmung umgeschlagen. Nachdem die grossen Kundgebungen am gestrigen Montag noch weitgehend friedlich und in Volksfeststimmung verlaufen waren, liefern sich seit Stunden Anhänger und Gegner des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak heftige Strassenschlachten in der Hauptstadt. Mit Molotow-Cocktails und Steinen sind zwei grosse Gruppen von Demonstranten aufeinander losgegangen, berichtet der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera. Mehr als 100 Menschen seien dabei bislang verletzt worden. Auch Schüsse sollen gefallen sein. Die Opposition wirft der Geheimpolizei vor, dass ihre Agenten in Zivil die Ausschreitungen angezettelt hätten. Der Sonderkorrespondent des lateinamerikanischen Kanals TeleSur in Kairo, Reed Lindsay, berichtet, dass die Armee bislang nichts unternehme, um die Gruppen voneinander zu trennen. Al-Jazeera meldet hingegen, dass das Militär versuche, mit Fahrzeugen eine Barriere zwischen den verfeindeten Lagern zu schaffen.

Hosni MubarakÄgyptens Staatschef Hosni Mubarak will trotz der Massenproteste sein Amt nicht aufgeben. Die Forderungen der Jugendlichen, die ihr Recht auf Demonstrationen wahrgenommen hätten, seien »von politischen Kräften manipuliert« worden, erklärte Mubarak in einer vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. Zugleich erklärte er, er habe nicht die Absicht gehabt, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen, die für September geplant sind, wieder anzutreten. »In den wenigen Monaten, die ich noch im Amt bleibe«, so der seit 30 Jahren herrschende Mubarak, werde er »für eine friedliche Machtübergabe« arbeiten.

Tahrir-Platz in KairoWährend auf dem Tahrir-Platz in Kairo noch immer Hunderttausende ausharren und die Ausgangssperre ignorieren, will sich Staatschef Hosni Mubarak offenbar in Kürze mit einer Ansprache an die Bevölkerung wenden. Das kündigte das staatliche Fernsehen an. Der Kanal Al-Arabiya meldete in diesem Zusammenhang, Mubarak werde zwar nicht zurücktreten, wolle aber ankündigen, bei der für September vorgesehenen Präsidentschaftswahl nicht wieder zu kandidieren. Sprecher der Opposition haben bereits angekündigt, dass ihnen diese Geste nicht reichen werde, sie fordern den sofortigen Rücktritt des Staatschefs bis spätestens Freitag.

Zwei Millionen auf der Strasse in KairoDas ägyptische Militär spricht mittlerweile von mehr als zwei Millionen Menschen, die zur Stunde auf dem Tahrir-Platz und den umliegenden Strassen im Zentrum Kairos gegen das Regime von Staatschef Hosni Mubarak demonstrieren. Auch in den anderen Städten des Landes kommt es Medienberichten zufolge zu riesigen Demonstrationen. Während viele Geschäfte wegen des ausgerufenen Generalstreiks geschlossen blieben, hat auch die Eisenbahn ihren Betrieb eingestellt. Panzer sind an der geplanten Demonstrationsroute aufgefahren, das Militär hat Strassensperren errichtet und hält offenbar an den Zufahrtswegen zur Hauptstadt Tausende vom Erreichen Kairos ab.

Tahrir-Platz in KariroKairo erlebt derzeit die wohl grösste Demonstration seiner Geschichte. Bereits jetzt sind Berichten des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera zufolge Hunderttausende auf dem Tahrir-Platz versammelt. Die Oppositionsbewegung spricht bereits von mehr als einer Million Teilnehmer und will von dem Platz aus zum Präsidentenpalast demonstrieren. Derzeit hält sich das Militär offenbar zurück. Hohe Offiziere hatten gestern im staatlichen Fernsehen angekündigt, nicht gegen friedliche Demonstrationen vorzugehen, da die Forderungen der Protestierenden »legitim« seien. Derzeit verteilen Soldaten offenbar Flugblätter, in denen sie ankündigen, das Volk »beschützen« zu wollen. Demgegenüber hat die ägyptische Regierung angekündigt, in Kürze wieder die Mobilfunknetze abschalten zu wollen. Internetzugänge sind bereits seit Tagen blockiert. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte schätzt die Zahl der bei der Unterdrückung der Proteste bislang getöteten Menschen auf über 300.

Hunderttausende auf dem El-TahrirDie Hoffnungen des Regimes in Ägypten, dass sich die Proteste der Bevölkerung ermüden könnten, scheinen sich nicht zu erfüllen. Auf dem zentralen El-Tahrir-Platz in Kairo demonstrieren Augenzeugenberichten zufolge derzeit 250.000 Menschen, in Al-Mansoura sollen es 120.000 sein. Für den morgigen Dienstag ruft die Bewegung zum Generalstreik und zu einer weiteren Grossdemonstration auf, zu der sie mindestens eine Million Teilnehmer in Kairo erwartet. Die venezolanische Nachrichtenagentur AVN meldet unterdessen unter Berufung auf die ägyptische Tageszeitung »Al-Shuruk«, der gerade erst ernannte Vizepräsident Omar Suleiman habe Staatschef Hosni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert.

Al-Jazeera liveIn Ägypten verdichten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Sturz von Staatschef Hosni Mubarak. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sind seine beiden Söhne Alaa und Gamal heute nach London geflohen. Gamals galt als möglicher Nachfolger seines Vaters. Nun aber ist er als Generalsekretär der regierenden NDP zurückgetreten. Gerüchte, dass auch Mubarak das Land verlassen habe, haben sich bislang nicht bestätigt. Der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed ElBaradei, rief den Staatschef zum Rücktritt auf, sonst werde Ägypten zusammenbrechen. Hunderttausende widersetzten sich im ganzen Land der Ausgangssperre und fanden sich zu grossen Demonstrationen zusammen.

Grossdemos in Kairo und anderen Städten ÄgyptensIn Ägypten reissen die Proteste gegen das Regime von Staatschef Hosni Mubarak nicht ab. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtet, versammeln sich derzeit wieder zahlreiche Menschen im Zentrum von Kairo, obwohl das Militär dazu aufgerufen hat, heute auf Versammlungen zu verzichten. Der Sender berichtet auch von Schüssen im Stadtzentrum. Die Bilanz der blutigen Repression am gestrigen Freitag soll 53 Todesopfer betragen, davon allein 23 in Alexandria so der von Qatar aus arbeitende Kanal.

Aufstand in ÄgyptenLetzte Meldung: Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat soeben die Regierung zum Rückltritt aufgefordert, morgen soll ein neues Kabinett ernannt werden. Er selbst werde jedoch »nirgendwohin gehen«, also nicht zurücktreten.


»In Kürze« will der ägyptische Parlamentssprecher Fathi Sorour »eine wichtige Mitteilung« machen, meldet Al Jazeera. Noch konkreter wird die verbotene Muslimbrüderschaft. Auf ihrer Homepage teilt sie seit wenigen Minuten mit: »Halb bestätigt: Der Diktator wird stürzen, seine Familie ist heimlich aus dem Land geflohen«. In den grossen Städten des Landes sind Panzer aufgefahren, die Menschen ignorieren die Ausgangssperre.

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